Die erste ASF-Bundesvorsitzende Elfriede Eilers trat 1973 an mit dem Anspruch: »Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen hat die Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen.« Davon sind wir 100 Jahre nach der Einführung des Wahlrechts für Frauen leider immer noch meilenweit entfernt. Vieles haben wir und unsere Vorkämpferinnen erreicht: von der Einführung des Frauenwahlrechts über den Abbau gesellschaftlicher Benachteiligungen bis hin zur Durchsetzung der Geschlechterquote in der SPD.
Doch wer glaubt, Frauen- und Gleichstellungspolitik sei überholt und ein Thema von gestern und vorgestern, der oder die irrt. Wir sind der Überzeugung: die Gesellschaft muss sich ändern. Der Einsatz für eine geschlechtergerechte Gesellschaft lohnt sich- für beide Geschlechter!
Neue Mitstreiterinnen sind uns jederzeit willkommen - auch solche, die nicht Mitglied der SPD sind oder es (noch) nicht werden wollen.
Brigitte Schmid-Hagenmeyer & Kathrin Breitenbücher
Co-Landesvorsitzende SPD Frauen
Klare Schwerpunkte auf Gewaltschutz, Lohngerechtigkeit und Care-Arbeit
Die SPD Frauen Baden-Württemberg haben auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz am Wochenende in Tübingen einen neuen Landesvorstand gewählt und dabei ein deutliches politisches Signal gesetzt: In Zeiten zunehmenden Drucks auf Demokratie und Frauenrechte wollen sie Gleichstellungspolitik entschlossen vorantreiben. Neue Co‑Vorsitzende des Landesverbands sind Dr. Brigitte Schmid‑Hagenmeyer und Cornelia True.
In ihren Reden machten beide deutlich, dass feministische Politik heute mehr denn je gesellschaftliche Bündnisse brauche.
„Wenn Frauenrechte infrage gestellt und soziale Sicherungssysteme ausgehöhlt werden, dürfen wir nicht leiser werden – wir müssen uns zusammenschließen“, betonte Cornelia True. „Bildet Banden. Und aus diesen Banden schmieden wir Bündnisse, mit denen wir Politik für Frauen durchsetzen.“
Brigitte Schmid‑Hagenmeyer kündigte an, einen zentralen Schwerpunkt der kommenden Amtszeit auf die gesellschaftliche und politische Aufwertung von Care‑Arbeit und deren ausgewogene Verteilung unter den Geschlechtern zu legen. „Care-Arbeit wird nach wie vor unsichtbar gemacht, strukturell benachteiligt und viel zu wenig von Männern übernommen“, sagte sie. „Wir brauchen endlich konkrete politische Lösungen – etwa steuerliche Anreize, wenn Mütter und Väter gleichberechtigt Verantwortung übernehmen und Arbeitszeit fair verteilen.“
Gewalt gegen Frauen im Fokus der Konferenz
Inhaltlich stand die Landesdelegiertenkonferenz unter dem Schwerpunkt sexualisierte Gewalt. In einem auf große Resonanz gestoßenen Fachvortrag skizzierte Prof. Dr. Jennifer Grafe von der Universität Tübingen Reformbedarfe im Sexualstrafrecht. Im Zentrum standen dabei das Ja‑heißt‑Ja‑Modell sowie neue Formen digitaler und bildbasierter Gewalt.
„Gerade bei bildbasierter digitaler Gewalt fehlt bislang ein geschlossenes rechtliches Gesamtkonzept“, so Grafe. „Die zentrale Frage muss lauten: Was wollen wir schützen? Von dort aus müssen wir die Gesetzgebung neu denken – auch wenn das bedeutet, bestehende Regelungen grundlegend zu überarbeiten.“
Diese Einschätzung spiegelt sich auch im Leitantrag der SPD Frauen wider. Darin betont der Landesverband, dass sexualisierte Gewalt kein individuelles, sondern ein systemisches Problem sei. Gefordert wird eine umfassende Gleichstellungsoffensive, die strukturell ansetzt – unter anderem durch eine Bildungsoffensive gegen Geschlechterstereotype sowie die konsequente Umsetzung von Parität in politischen Gremien und Parlamenten.
Klare Worte aus Land und Bund
Eingeleitet wurde die Konferenz durch gleichstellungspolitische Berichte aus Land und Bund. Dr. Dorothea Kliche‑Behnke (MdL) sowie Jasmina Hostert (MdB) machten deutlich, dass wichtige Reformen weiter auf sich warten lassen. So müsse der Gewaltschutz ausgebaut und das EU‑Entgelttransparenzgesetz endlich konsequent umgesetzt werden, um den Gender Pay Gap wirksam zu reduzieren. Bei einer Wahlrechtsreform wird die SPD außerdem die Pflicht zur Parität fordern. Beide berichteten zudem offen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Sexismus – auch im digitalen Raum.
Grußworte kamen unter anderem von Gundula Schäfer‑Vogel, Bürgermeisterin der Stadt Tübingen, von Carmen Wegge, Bundesvorsitzende der SPD Frauen, sowie von Ute May, Vorsitzende der SPD 60Plus und Nathalie Ziwey, stellvertretende Vorsitzende der Jusos Baden‑Württemberg.
Mit der Wahl des neuen Landesvorstands und klaren politischen Positionen setzen die SPD Frauen Baden‑Württemberg ein unmissverständliches Zeichen: Gleichstellung ist kein Nebenprojekt – sondern Voraussetzung für eine gerechte und demokratische Gesellschaft.
Hintere Reihe: Cornelia True, Dr. Jessica Wilzek, Andrea Ahlemeyer-Stubbe, Judith Vowinkel, Barbara Oppelz, Gisela Gretschel; Vordere Reihe: Kathrin Breitenbücher, Dr. Brigitte Schmid-Hagenmeyer, Cansu Cak, Corinna Friedrich; Es fehlen: Elli B., Yasmin Nasrudin, Nathalie Ziwey
Alexandra Zykunov liest aus ihrem zweiten Buch "Was wollt ihr denn noch alles?!". Darin trägt sie unbekannte, absurde, aber leider sehr reale Zahlen, Studien und Unmöglichkeiten zusammen, die schmerzhaft aufzeigen, wo Frauen benachteiligt werden und wodurch ihr Leben anstrengender, ärmer und im Zweifelsfall lebensgefährlicher wird - auch heute noch.
Die 1985 geborene Bestsellerautorin schreibt zu feministischen Themen u.a. als Spiegel online Kolumnistin und ist als @alexandra__z eine profilierte Stimme auf Instagram.
Tickets gibt es hier: https://tickets.tollhaus.de/produkte/90480-tickets-alexandra-zykunov-kulturzentrum-tollhaus-karlsruhe-am-20-01-2026
Der Landkreistag BW will auf die gesetzliche Pflicht zur Bestellung von kommunalen Gleichstellungsbeauftragten verzichten.
Das wäre ein riesen Rückschritt für alle Frauen in Baden-Württemberg. Schützen Sie die Interessenvertretung von Frauen! & unterschreiben Sie die Petition, die der Arbeitskreis der Beauftragten für Chancengleichheit und Gleichstellungsbeauftragten in Heidelberg und Mannheim gestartet hat.
Hier geht es zur Petition: openpetition.de/blmgn
Angesichts hoher und steigender Zahlen von Gewalt gegen Frauen in Deutschland fordern die SPD Frauen Baden-Württemberg deutlich mehr gesamtgesellschaftliche Anstrengungen für ein konsequent gewaltfreies und konsensuelles Geschlechterverhältnis. Zur Prävention geschlechtsbezogener Gewalt ist es fundamental, Kinder bereits frühzeitig gleichstellungsorientiert zu erziehen und die Präventionsarbeit dazu an Schulen auszubauen und die Öffentlichkeit für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren. Die SPD Frauen setzen sich deshalb auch für eine flächendeckende Medienbildung für Jugendliche zu Geschlechterstereotypen und zu Gewaltdarstellungen in der Internetpornographie ein, für Aufklärung zur Loverboy-Methode, für die Einführung des Grundsatzes "nur Ja heißt Ja" im Sexualstrafrecht, sowie für einen Kurswechsel in der Prostitutionspolitik mit einem Verbot, Frauen gegen Geld sexuell zu benutzen. Denn solange irgendeine Form von Gewalt gegen Frauen gesellschaftlich toleriert wird, fördert dies die Gewalt gegen alle Frauen fördert und verhindert Gleichstellung.
Für Gewaltbetroffene fordern die SPD Frauen Baden-Württemberg die zügige Umsetzung des Gewalthilfegesetzes zum flächendeckenden Ausbau von Frauenhausplätzen und deren solideren Finanzierung auch in Zeiten knapper Kassen. Auch die Zahl der Beratungsstellen und der Gewaltambulanzen muss in diesem Zuge erhöht und mit einer langfristigen und soliden Finanzierung versehen werden, wie im Programm der SPD für die Landtagswahl 2026 beschrieben.
Wir Demokrat*innen dürfen es nicht zulassen, dass rechte Netzwerke Kandidaturen und Institutionen beschädigen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass demokratische Gepflogenheiten kaputt gemacht werden von einzelnen Leuten, die auch mit emotional aufgeladenen Überschriften bis hin zu Falschmeldungen eine renommierte Rechtswissenschaftlerin wie Prof. Frauke Brosius-Gersdorf zu diskreditieren versuchen.

